Soll man die Corona-App herunterladen? Ein Kommentar...

"Dazu zählt zuallererst: endlich die verdammte Corona-App herunterladen! Ausreden zählen jetzt nicht mehr."

Ein interessanter Kommentar (02.11.2020) aus:

"Das Infektionsgeschehen in Deutschland gerät zunehmend außer Kontrolle. Jeder sollte jetzt mithelfen, wo er kann. Dazu gehört neben Maske und Abstandsgeboten zuallererst endlich die Corona-Warn-App!

Jetzt passiert wohl doch, was Wirtschaft und Politik unbedingt vermeiden wollten. Ob man es nun Lockdown nennen will oder nicht, das öffentliche Leben wird erneut merklich heruntergefahren. Die Gesundheitsämter sind überlastet. Die Infektionsketten lassen sich in vielen Fällen nicht mehr nachvollziehen. Restaurants, Bars, Kinos und Fitnessstudios werden als erste unter den neuen Maßnahmen leiden. Dabei ist die statistische Lage gar nicht mehr eindeutig.

Wir wissen nicht, wo sich die meisten Menschen infizieren, weil wir die Infektionsketten nicht gut genug nachvollziehen können. Über die Versäumnisse des letzten halben Jahres kann und muss diskutiert werden. Statt jetzt aber in Schockstarre zu verfallen, sollte sich jeder fragen, was er selbst besser machen kann. Dazu zählt zuallererst: endlich die verdammte Corona-App herunterladen! Ausreden zählen jetzt nicht mehr.

Aber die App funktioniert doch gar nicht richtig!?

Falsch. Wer sich nach den anfänglichen Bugs der Corona-Warn-App nicht weiter informiert hat, macht es sich zu einfach. Tatsächlich ist die Anwendung immer noch weit entfernt von Perfektion, aber eben auch viel besser als noch zu Beginn ihrer Einführung. Corona-App-Bashing war zwischendurch Volkssport. Wegen einzelner Problemchen einfach gar nichts zu tun, das ist typisch deutsch und dieser Whataboutism ermüdet. Greta Thunberg reist nicht klimaneutral? Dann kann ich also weiter in meinem SUV durch die Stadt heizen – anderes Thema, gleiche Argumentation. JEDE Infektionskette, die unterbrochen werden kann, jeder Mensch, der keinen weiteren ansteckt, ist ein Erfolg, hilft uns beim Überstehen der Covid-19-Krise und rettet im Zweifel Leben.

Aber ich weiß nicht, was ich mit den Benachrichtigungen anfangen soll!

Ja, nicht jeder Texthinweis in der Corona-App ist optimal formuliert. Ob zum Beispiel Begegnungen mit niedrigem Risiko angezeigt werden müssen, wenn daraus sowieso keine Handlungsempfehlungen entstehen, ist fraglich. Sie haben aber eine wichtige Sensibilisierungsfunktion: „Hey, Corona ist real und es verbreitet sich wahnsinnig schnell. Du bist erst kürzlich jemandem über den Weg gelaufen, der infiziert war!“

Wer mit dem knallroten Bildschirm, den er erhält, wenn er eine Risiko-Begegnung hatte, nichts anfangen kann, für den gilt: Zu Hause bleiben und sich dann in Ruhe informieren. Bequemlichkeit hat als Argument in dieser Pandemie endgültig ausgedient.

Es ist durchaus möglich, sich unbemerkt in der Bahn, im Supermarkt oder an vielen anderen Orten zu infizieren. Über solche Risikokontakte wäre man ohne die Warn-App niemals informiert worden. Die möglichen Folgen: Die Erkrankung verläuft symptomfrei oder man bemerkt die Symptome erst, wenn man schon seit ein bis zwei Tagen ansteckend ist. In beiden Fällen ist die Chance groß, weitere Menschen anzustecken. Diese Ketten gilt es zu durchbrechen!

Aber was ist mit dem Datenschutz?

Was den Datenschutz angeht, so macht die Corona-Warn-App eine ganze Menge richtig. Die Lösung mit dezentraler Datenspeicherung und Bluetooth-Signal wurde hart erkämpft und im Großen und Ganzen von Datenschützern ohne Aluhut für gut befunden. Warum beschenken wir Unternehmen großzügig mit unseren Daten, wenn diese aus unseren Luxusproblemen Profit schlagen, aber stellen uns quer, wenn wir alle davon profitieren könnten, die technischen Möglichkeiten unserer Smartphones wirklich auszunutzen. Auch wenn die Corona-App keine Daten sammelt, die Verbindung zwischen Standort und Bluetooth auf vielen Android-Geräten ist unglücklich. Aber: Wessen Handy frei von datenhungrigen Apps ist, der werfe das erste Nokia 3210! Ich möchte an dieser Stelle auch jedem Unternehmen viel Erfolg wünschen, das versucht, aus meinem Verhalten in diesem Ausnahmejahr ein Kundenprofil für die Zukunft zu erstellen.

Aber meine persönliche Freiheit! 

Markus Söder hat den Mund-Nasen-Schutz erst kürzlich als „Instrument der Freiheit“ bezeichnet. Dafür hat er auf diversen Social-Media-Plattformen jede Menge Gegenwind bekommen. Tatsächlich ist die Maske aber genau wie die Corona-Warn-App kein Allheilmittel, sondern ein weiterer Baustein, der dabei helfen soll, die großen Freiheiten des öffentlichen Lebens aufrechtzuerhalten. Den Menschen, die sich die App weiterhin nicht herunterladen – den digitalen Masken-Verweigerern – kann man nur sagen: Wenn wir sie alle nutzen würden, wären die so verhassten Corona-Beschränkungen ziemlich sicher wesentlich schneller Geschichte. Ladet euch endlich die App herunter! Auch wenn sie nicht jedem helfen wird, es gibt keine vernünftigen Gründe mehr, es nicht zu tun."

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 Bleiben Sie gesund; 02.11.2020; Strahler, Schulleiter